Transkription des Blattes 6765 aus Slg Darmst. 2f 1810 Wilken (J.A.)

 

[Am Anfang des Briefes befindet sich ein nachträglich hinzugesetzter Absatz in sehr schlecht leserlicher Schrift. Er scheint in Eile verfasst worden zu sein.] 

D[as] Rescript für [xx] wegen Abgabe von Musicalien aus der Königl.

Bibliothek, an die neuerichtete Musikalische Bibliothek sey[?] noch nicht erlaßen[.] Allein es sey die Absicht sey [xx] [xx] der Königlichen Bibliothek seit langer Zeit [xx} liegende Musicalien jene durch den Forkelsch [xx] gegründete [xx] Musicalische Bibliothek abgeben zu laßen, nicht nach dem Brief des H. GOR. [Geheime Ober. Regierungsrath] Schulz auch der Wunsch des H. Wilken sey. Man trage ihm daher auf [xx] über dessen Plan zu berichten, und ihm [xx] der Musicalien einzunehmen, [xx] Der Königlichen Bibliothek [xx] [xx] [xx] an die musicalische Bibliothek [xx] abgeben [xx] können.

          Berlin d. [x] May 1820

Uhden 
 

Der königliche Geheime Ober. Regierungsrath Herr Schulze hat nach dem beiliegenden Mahnzettel, durch welchen er um die Zurückgabe der vom 29. September v. J. aus der Königlichen Bibliothek entliehenen Werkes Königs [abgesetzt durch die lateinisierte Schrift] Liederschatz, ersucht wurde, bemerkt „daß dieses Buch sich in der Königlichen Musikalischen Bibliothek befindet, an welche nach einer Höheren Verfügung auch die noch sonst auf der Großen Königlichen Bibliothek vorhandene Musicalien abgegeben werden solten.“

Da diese Verfügung bis jetzt mir nicht bekannt geworden ist: so bitte ich, daß das Hohe königliche Ministerium Hochgeneigtest geruhen möge, mich davon in Kenntniß zu setzen und anzuweisen, wie ich insbesondere wegen des vorhingenannten, von Herrn Schulz gegen Revers aus der königlichen Bibliothek entliehenen Werk zu verfahren habe. 

                              Berlin den 28. April 1820 

                              [hier befindet sich eine Verzierung, die bis an den       Namen heranreicht] 

                              Fr. Wilken, Königl. Oberbibliotheksführer 

pr den 28/4 20.

Hr. [xx] Uhden  [hier befindet sich im Original ein groß geschriebenes ‚W’ über zwei Zeilen hinweg, zur Zahl 609 herunterreichend]

609

[xx] 

u. a.

An

das Hohe Königliche Ministerium der Geistlichen Unterrichts und Medizinal. Angelegenheiten 

Kommentar: 

Der Brief hat amtlichen Charakter und ist deshalb in dekorativer Schrift mit einigen Verzierungen abgefasst. Vor allem der erste Buchstabe ist verziert. Typisch für die Unterschrift Wilkens, aber auch für die Böckhs, ist eine Art Schnörkel in Form eines langgezogenen Fragezeichens vom Ende des Briefes vertikal hinunter verlaufend zum Anfang der Unterschrift. Wilken setzt meist seine Berufsbezeichnung in verschiedenen Variationen hinzu.  

Informationen zum Kontext:

Friedrich Wilken wurde 1777 in Karlsruhe geboren. 1807-1817 war Wilken in Heidelberg als Professor für Orientalistik und Geschichte tätig. Schon in Heidelberg betreute er die Universitätsbibliothek, ehe er einem Ruf nach Berlin folgte.

Friedrich Wilken ist, als Oberbibliothekar von 1817 bis 1840, maßgeblich für die Reorganisation und Erweiterung bzw. Professionalisierung der Berliner Königlichen Bibliothek verantwortlich. Ein konsequenter und bibliothekarisch geleiteter Bestandsaufbau zu einer Gelehrtenbibliothek war schon durch die Gründung der Berliner Universität 1810 notwendig geworden.

Seitens der Regierung kam eine Umstrukturierung der Ministerien Wilkens Bestrebungen zupass. Im Jahr 1817 ging die oberste Leitung der Königlichen Bibliothek an das neu errichtete Ministerium der Geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, deren Chef Freiherr Stein von Altenstein die Belange der Bibliothek erkannte und unterstützte. Er setzte sich beim König immer wieder für benötigte Gelder ein.

1840 starb Friedrich Wilken in Berlin.

 

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