Einzelne Stellen aus der Mappe Slg Darmstaedter 2B 1830 Boeckh (J.A.)


Transkription zu Brief 10: 

Herrn Stud. Kasse bezeuge ich hierdurch,

daß ich ihn jederzeit als einen fleißigen und

ordnungsliebenden jungen Mann kennen gelernt, auch

niemals Ursache gehabt habe, bei den vielfältigen

Cautionen, welche ich für Bücher ihm geleistet

habe, Klage über Mißbrauch derselben zu führen.

Daher lege ich zugleich Fürbitte für ihn in Rücksicht

des Unglücks ein,

welches ihm mit dem Sophokles von Vauvilliers begegnet

ist, und empfehle ihn angelegenlich der Milde des

Bibliothekariates.

      Berlin d. 9. Oktober 1823

                        Böckh 

Kommentar: 

Professor August Böckh hat vielfältig Aufgaben erfüllt. Immer wieder setzt er sich für die Belange der Studenten ein und leistet für Studenten Kautionen (eine Art Bürgschaft),  ohne die die Studenten keine Bücher in der Königlichen Bibliothek ausleihen konnten. 
 

Transkription zu Brief 12 bzw. Blatt 269: 

Der Studiosus Meinicke von Potsdam hat mich dringend ersucht, bei der Direktion der königlichen Bibliothek Fürbitte für ihn einzulegen, damit er wieder von derselben Bücher erhalte.

Wiewohl ich nun erkenne, daß das Verderben der Bücher der königlichen Bibliothek sehr strafbar ist, und die Gesetze dagegen im Allgemeinen nicht zu streng sind, so bin ich doch überzeugt daß Hr Meinicke als ein sehr fleißiger junger Mann einige Rücksicht verdient, indem er durch

die Entziehung des Rechtes Bücher zu erhalten, in seinem Studium so gehemmt wird, daß er die hiesige Universität verlassen

müßte, wenn das Gesetz streng gegen ihn gehandhabt würde. Auch glaube ich, daß Hr Meinicke in Zukunft sich auf das sorgfältigste in Acht nehmen wird, um keine Ursache zu weiterer Klage zu geben. 

                                    Berlin d. 14. September 1824

                                      Böckh 
 

[Es folgt eine Stellungnahme von Buttmann und eine Erklärung des betroffenen Studiosus C. Meinicke, die ich hier auslasse; es folgt die Erklärung Wilkens.] 
 
 
 

Nach obigen Erklärungen wird Herr Meinicke die Benutzung der königlichen Bibliothek mit genauer Berücksichtigung des Reglement wieder gestattet. 

Berlin d. 5. Nov. 1824

Wilken 

Kommentar: 

Die Aufzeichnungen der vier Stellungnahmen zum ‚Fall C. Meinicke’ sind in gutem Zustand und bis auf die Erklärung Buttmanns gut leserlich.

Philipp Buttmann war Philologe, der bereits seit 1789 in der Bibliothek als Bibliothekar arbeitete.

 Interessant wäre sicherlich eine intensivere Untersuchung der Disziplinierungsmaßnahmen bei Verstößen gegen die Benutzungsbedingungen der Bibliothek, v. a. auch hinsichtlich der außerordentlichen Machtposition des Oberbibliothekars Wilken und die zentralistische Rolle der Bibliothek.

Fragen hinsichtlich der vermittelnden Rolle Böckhs und wer sich warum zu seinen Schützlingen zählen durfte, wären außerdem von Interesse. Wieviele Studenten bekamen aufgrund von Verstößen gegen die Benutzungsordnung der Bibliothek ernsthafte Probleme mit dem Studium? 
 

Transkription zu Brief Nummer 19 bzw. Blatt 1275 : 

Ew. Hochwohlgeboren verhehle ich nicht, auf das gefällige Schreiben vom

24. Oktober d. Jahres ergebenst zu benachrichtigen, daß der Dr. Pratz[?] auf meine

Aufforderung vom 26. desselben Monats

die auf meine Bürgschaft vor der königl. Bibliothek entliehenen Bücher sofort

zurückzuliefern, und am 29. des. Monats von Halle aus mir geantwortet hat, er habe

bei seiner Abreise von Berlin den Auftrag gegeben, diese Bücher zurückzustellen und

erfahre erst bei dieser Gelegenheit, daß dies nicht geschehen sey: es könne nur ein von

ihm nicht verschuldetes Mißverständniß zu Grunde liegen, welches sich spätestens bei seiner auf die nächsten Tage festgesetzten Rückkehr nach Berlin aufklären werde. Daß

ich bis zu erfolgter Ablieferung jener Bücher der König. Bibliothek dafür verhaftet

bleibe, brauche ich kaum zu bemerken.

      Berlin d. 1. Nov. 1846 

                        der geh. Regierungsrath Prof. Böckh 
 

                        [Zusatz:]

                        Nachdem Herr Dr. Pratz[?] zurückgekehrt, hat Herr Geheimrat     Pertz infolge einer mündlichen Unterredung mit Herrn Pratz[?]     bestimmt, daß derselbe die in Händen habenden Bücher noch     kurze Zeit behalten und nach Abgabe derselben wiederum      andere erhalten könne. Diese Angelegenheit ist mithin erledigt.

                                                      [Unterschrift ist nicht leserlich] 

An

d. Königl. Geh. Regierungsrat und

Oberbibliothekar d. Herrn Dr. Pertz

            Hochwohlgeboren 
 

Informationen zum Kontext: 

August Böckh, auch Boeckh, wurde am 24. November 1785 in Karlsruhe geboren und starb im August 1867. Er studierte 1803 bis 1806 in Halle bei August Wolf und Friedrich Schleiermacher. 1807 bis 1809 ist er in Heidelberg, zunächst als Privatdozent, ab 1809 dann als ordentlicher Professor tätig. Im Jahr 1811 geht Böckh nach Berlin, um eine Professur für klassische Philologie zu besetzen.

Böckh leitete insgesamt sechsmal das Dekanat seiner Fakultät und wurde fünfmal zum Rektor gewählt. Als Professor der Beredsamkeit hat er in der Öffentlichkeit die Universität vertreten und fungierte als Festredner der Universität.

1814 wird Böckh Mitglied in der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, deren philosophisch-historischer Sektion er, in der Nachfolge Schleiermachers, als Sekretär von 1834 bis 1861 vorstand.

Ein Gefühl der Verantwortung als Wissenschaftler gegenüber der Allgemeinheit prägen sein Verständnis von Wissenschaft. Böckh hat sich im Laufe seiner Zeit an der Universität immer wieder für die Belange der Studenten vehement eingesetzt. 
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