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Gründerjahre der Philosophischen Fakultät (HU Berlin, Institut für deutsche Literatur)

Im Rahmen dieser Lehrveranstaltung besuchten wir das Geheime Staatstarchiv, das Universitätsarchiv der HU und die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Dort konnten wir anhand unerschlossener Handschriften Projektarbeiten durchführen. Im Mittelpunkt standen wenig erforschte Einzelaspekte des Lebens von Studenten und Dozenten in der Philosophischen Fakultät in den Jahren 1810-1825. Spezieller haben wir uns für August Boeckh, Friedrich Wilken und Friedrich von Raumer und deren Studenten interessiert.


1) Projekt "Bibliothekangelegenheiten in den Gründerjahren"




Staatsbibliothek zu Berlin, Slg Darmstaedter, 2 f 1810 Wilken
Schreiben Wilkens an Eberhard in Halle. erh. 22. Sept.1817








Bearbeitet von: Janin Afken
Die bearbeiteten Bestände entstammen der Sammlung Darmstaedter.


Die Akten ‚2F 1810’ und ‚2b 1830’ aus der Sammlung Darmstädter sind hinsichtlich der Bibliothekserweiterung hin zu einer Gelehrtenbibliothek in Verbindung mit der Gründung der Berliner Universität im Jahre 1810 von Bedeutung. Sie geben Aufschluss über die Vorraussetzungen einer beginnenden Professionalisierung und Umstrukturierung. In diesem Zusammenhang von besonderem Interesse ist die Rolle der preußisch-königlichen Regierung und deren Macht- bzw. Repräsentationsbestrebungen und die Frage wodurch sich das Interesse an Bildung verändert hat.

Folgende Themenkomplexe sind für eine tiefergehende Analyse fruchtbar: Welche Bücher und Handschriften wurden angeschafft um einen ‚Kanon’ zu konstituieren bzw. an bestehende Wissenstraditionen anzuknüpfen?

Inwiefern hat die Königliche Bibliothek, mit Friedrich Wilkens als zentrale Figur im Umstrukturierungsprozess, durch ihre Monopolstellung Kontrolle über Wissen – realisiert u. a. durch rigide Ausleihregeln, deren Verstöße hart geahndet wurden und nicht selten die Fortsetzung des Studiums unmöglich machten?

Welche vielschichtigen Machtbeziehungen bestanden zwischen der Königlichen Bibliothek, dem Kultusministerium, der Universität und den Studenten? Und auf welche Weise wurden diese Strukturen unterlaufen?

Von wem hat die Königliche Bibliothek Schenkungen erhalten, und welche Interessen und Erwartungen waren damit verbunden? Was sagt das über die Stellung der Königlichen Bibliothek in wissenschaftlichen Kreisen aus?

Sammlung Darmstaedter 2f 1810 Wilken: Beschreibung der Mappe, Transkription und Kommentar des Blattes 6765, Transkription des Briefes vom 22. September 1817
Sammlung Darmstaedter, 2b1830 Boeckh: Beschreibung der Mappe, Transkription und Kommentar einzelner Passagen


2) Projekt "Alltag der Philosophischen Fakultät"


Staatsbibliothek zu Berlin, Sammlung Adam, Kapsel 24
Schreiben Friedrich von Raumers o.O.u.D.




Bearbeitet von: Vera Neubauer, Susanne Bärsch

Die Transkription handschriftlicher Briefe birgt stets ganz besondere Herausforderungen in sich: Auf der formalen Ebene muss zunächst schlichtweg die Schrift des Verfassers entziffert werden. Dabei kann es durchaus einen Unterschied machen, ob es sich um einen formellen, öffentlichen Brief handelt oder um ein persönliches Schriftstück, welches an eine z. B. befreundete Person gerichtet ist und daher möglicherweise ästhetisch anders, gestaltet ist.Auch auf der inhaltlichen Ebene kann sich dieser Aspekt niederschlagen (z. B. bei der Verwendung interner Formulierungen, die aufgrund der persönlichen Relation zwischen Schreiber und Empfänger entstanden sind). In jedem Fall aber setzt der Brief beim Lesenden ein gewisses Wissen voraus, wie z. B. vergangene oder aktuelle Ereignisse, Personenbeziehungen, kausale Zusammenhänge, um seinen Inhalt vollständig zu verstehen. Dieses Wissen haben wir als Außenstehende aus einer anderen Zeit nicht - und müssen daher zusätzliche Recherchearbeit hinsichlich der Personen und der historischen Begleitumstände leisten, um dem Geheimnis eines fremden Briefs auf die Spur zu kommen.

 

Auch der vorliegende Brief Friedrich Wilkens (1777 - 1840) an Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780 – 1849) ist vor dem Hintergrund biographischer Daten zu lesen. In der Hauptsache setzt sich Wilken darin mit seiner geplanten Versetzung von der Universität Heidelberg zur neugegründeten Universität nach Berlin auseinander. Es sind darin viele persönliche Schilderungen der Gefühle Wilkens zu finden – neben einem beachtlichen Informationsgehalt bezüglich der finanziellen Bedingungen zu seiner Zeit als Dozent. Dieser Brief ist sehr von Interesse, weil viel Persönliches von Wilken offenbart wird – was sicherlich dazu beitragen kann, seiner Figur als historischer Charakter in der Geschichte der Berliner Universität mehr Profil zu verleihen.

Autogr. I/401/2, Schreiben von Friedrich Wilken an De Wette bez. seiner Berufung nach Berlin: Beschreibung der Mappe, Transkription und Kommentar des zweiten BriefesSammlung Adam, Kapsel 24, Schreiben Friedrich von Raumers: Beschreibung der Mappe, Transkription des undatierten Schreibens über das Halten von Vorlesungen




3) Projekt "August Boeckhs Tätigkeit an der Friedrich-Wilhelms-Universität"

Bearbeitet von:  Rebekka Zeller, Dilek Göl
Kurze Präsentation des Kastens 2 des Nachlasses Boeckh.
NL 172, Kasten 2, Mappe 1a
NL 172, Kasten 2, Mappe 5
NL 172, Kasten 2, Mappe 11






Für die hervorragenden Arbeitsbedingungen bedanken wir uns bei der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin!