Brief von Gneisenau an Rühs vom 15.11.1819

Gneisenau, August Wilhelm Anton, Graf von

 

 

 

Wohlgeborner Herr,

Hochzuehrender Herr Professor.

 

Ew. Wohlgeborn wollen meinen verbundensten Dank empfangen für die Ehre die Sie mir erwiesen haben, meinen Namen Ihrer historischen Entwicklung [ee] vorzusetzen. Es war einmal Zeit, dass ein geschichtskundiger Schriftsteller auftrat und die Erinnerung an alte erlittene Ungerechtigkeiten und Demüthigungen wieder auffrischt zur weitern Begründung des gerechtesten Nationalhasses redlicher Gemüther und zur Beschämung derjenigen, deren neure Verderbtheit sie zu Parteigängern Frankreichs macht. Das Ew. Wohlgeboren dies mit Talent gethan haben, lässt nach Ihren früheren Arbeiten sich erwarten. Noch habe ich, in den Bedrängnissen der letzten Zeit eines Aufenthaltes in einer große Stadt die nöthige Zeit nicht gewinnen können, Ihr Werk zulesen und ich [verspr.] solches biß zu meinem Aufenthalt am Rhein, der so viel alte Erinnerungen weckt, gleich Ihrem Buche.

 

Ich bitte Ew. Wohlgeborn, die Versicherungen der vollkommenen Hochachtung anzunehmen womit ich bin

 

                                   Ihro

                                                           Ganz ergebenster

                                                           Diener

                                                           Gr [W] Gneisenau

 

Paris d.15 ten November 181[9]

 

 Nachlass Homeyer, Kasten 14 - Staatsbibliothek zu Berlin-PK (Mappe Gneisenau)

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