Presentation 26_11_2010

Französische Intellektuelle in Berlin und Potsdam zur Zeit Friedrichs des Großen

Deutsch-französische Tagung

 26.11.2010, Universität Potsdam (Am Neuen Palais)

 

Im Rahmen des Forschungsprojektes „La présence française dans la vie intellectuelle prussienne de l’Aufklärung au Vormärz“ wird in der ersten Phase 2009-2010 der Erschliessung von Netzwerken besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Briefwechsel werden im Rahmen von Workshops erschlossen, transkribiert und kommentiert. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, gelehrten und politischen Austausch, Freund- und Feindschaften aufzudecken und ihre Motivationen (unter besonderer Berücksichtigung ihrer expliziten oder impliziten Gallophilie bzw. Gallophobie) sowie Entwicklungen anhand des wissenschaftlichen und politischen Zeitgeschehens zu untersuchen. Drei Knotenpunkte der Netzwerkbildung in der Zeit zwischen 1740 und 1848 spielen in dieser ersten Phase eine zentrale Rolle: a) der friderizianische Hof, b) die Akademie der Wissenschaften und c) ab 1810 die Berliner Universität als Ort der Auseinandersetzung mit dem napoleonischen Frankreich. Die Erschließung der Nachlässe von Louis de Beausobre (insbesondere sein Briefwechsel mit Formey) und Friedrich Rühs (Briefwechsel mit Gneisenau, Bertuch, Brinckmann, v.d. Hagen, Passow, de Villers) wird bereits von einer Gruppe dynamischer Nachwuchswissenschaftler erarbeitet. Im Kontext  dieser Workshops gilt es darum, Mechanismen der Netzwerkbildung und des Briefschreibens nachzugehen.

 

Dabei spielen die Lebensläufe wichtiger Akteure dieser drei Konstellationen eine Rolle, die weniger durch die Erschließung der Netzwerke als durch eine Untersuchung der intellektuellen Einstellung und des Werdegangs der jeweils Betroffenen ans Licht gebracht werden können. Eine Konstellation ist dabei von hohem Interesse, nämlich die des friderizianischen Brandenburg-Preußens: Denn da spitzen sich die Konkurrenzverhältnisse unter Gelehrten durch zwei tonangebende Sphären zu: Hof einerseits und Akademie der Wissenschaften andererseits.

 

Im Rahmen dieser Tagung soll es darum gehen, auf die Rolle von französischsprachigen Persönlichkeiten  aus der intellektuellen Welt in Potsdam und Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen Vertreter der gelehrten Welt, die öffentlich tätig sind, primär als Schriftsteller, Verleger oder Publizisten. Ihrer Beziehung zum – selbst schriftstellerisch tätigen – Monarchen soll nachgegangen werden, aber auch den Einzelstrategien, die zur Selbstbestimmung auf der intellektuellen, französischsprachigen Szene verwendet werden. Nicht zuletzt soll die Frage erörtert werden, wie wirkungsvoll diese Strategien wurden und insbesondere, inwiefern die Verwendung der französischen Sprache zum Erfolg oder Misserfolg verhelfen konnte. War das Französische an Hofe und Akademie Friedrichs des Großen für die eigene schriftstellerische Karriere förderlich oder hinderlich? Wie balancierten sich gesellige, politische, wissenschaftliche und künstlerische Talente beim Durchbruch zur tonangebenden Persönlichkeit aus? Welche Machtposition konnte sich dadurch erhoffen lassen?

 

Die Antwort auf diese Fragen soll in der Potsdamer/Berliner Karriere solcher Personen wie Voltaire, Maupertuis oder dem Marquis d’Argens gesucht werden. Es gilt aber auch – kontrapunktisch dazu – Persönlichkeiten in den Vordergrund rücken zu lassen, denen die Rezeptionsgeschichte einen weniger prominenten Platz einräumte. Hiermit wird die Möglichkeit gegeben, auf Ergebnisse der neueren Forschung zu Hugenotten und Freimaurern zurückzugreifen.

Comments